14.06.2018

Wertpapiergeschäft – Banken lassen Potenziale ungenutzt

Die Deutschen und Wertpapiere – diese Beziehung bleibt bis auf weiteres: Schwierig. Und das hat auch mit den Banken und Sparkassen zu tun, wie eine aktuelle Umfrage des auf Finanzdienstleister spezialisierten Beratungsunternehmens Investors Marketing (IM) unter mehr als 2.000 Privatkunden zeigt. So machen viele Anleger nach wie vor einen Bogen um Aktien und Anleihen, sei es im Form von Direktinvestments oder über entsprechende Investmentfonds: Nur 24 Prozent der Befragten geben an, in Wertpapiere zu investieren. Und immerhin 13 Prozent können sich vorstellen, bei künftigen Geldanlageentscheidungen auch mehr Risiken einzugehen. Weitere vier Prozent planen konkret, in nächster Zeit in Wertpapiere zu investieren, heißt es von IM.

Viele Banken sprechen Kunden nicht auf Wertpapiere an

Wie die Umfrage weiter zeigt, traut die Mehrheit der Befragten den Banken und Sparkassen in puncto Wertpapierberatung keine kompetente Beratung zu. So ist im Schnitt lediglich rund jeder dritte Befragte der Ansicht, dass seine Hausbank ihn zu Wertpapieren umfassend und qualifiziert beraten kann. Dabei trauen 34 Prozent der Wertpapieranleger ihrer Hausbank dies zu, während nur 28 Prozent der Nicht-Anleger ihre Bank dahingehend für ausreichend kompetent halten.

Dass den Banken und Sparkassen so wenig Kompetenz in den Anlagesegmenten Aktien und Anleihen zugesprochen wird, ist laut IM auch darauf zurückzuführen, dass viele Kunden schlichtweg gar nicht von ihrer Bank auf Wertpapiere angesprochen zu werden. Dies geben 47 Prozent der Befragten an. IM zufolge reicht die zunehmende Regulatorik, die eine Wertpapierberatung für Otto Normalanleger kaum noch profitabel erscheinen lässt, als Erklärung hierfür jedoch nicht aus. So gibt auch fast jeder vierte unter den befragten Aktienanlegern an, von seiner Bank oder Sparkasse noch nie aktiv auf Investments in Aktien und Anleihen angesprochen worden zu sein.

IM sieht Handlungsbedarf bei Banken und Sparkassen

Damit lassen die Banken und Sparkassen großes Potenzial ungenutzt, das relativ problemlos erschlossen werden könnte: Denn laut Umfrage würden sich 37 Prozent aller Befragten in Sachen Wertpapierinvestment zuerst an ihre Hausbank wenden – sie müssen also nur noch über eine passgenaue Zielgruppenansprache abgeholt werden. IM-Vorstand Thomas Wollmann sieht in der fehlenden Kundenansprache ein ernstes Risiko, insbesondere für Regionalinstitute. „Wenn die Kunden den Wert der Beratung nicht erleben, profitieren davon Direktbanken und Robo-Advisors, die mit einfachen Lösungen ohne persönliche Beratung und günstigen Preisen locken“, betont er. Daher müssten Banken und Sparkassen aktiver auf die Kunden zugehen, wenn sie künftig im Wertpapiergeschäft eine Rolle spielen und einbrechende Zinsüberschüsse ausgleichen wollen.

Beratungsbedarf zum Vermögensaufbau ist immens

Wie die Studie zeigt, verpassen Banken und Sparkassen die Möglichkeit, sich als kompetente Ansprechpartner bei der Wertpapieranlage zu positionieren. Und dabei besteht ausgerechnet in diesen Anlagesegmenten abseits mager verzinster Tagesgeldkonten und Sparbriefe enormer Aufklärungsbedarf. Dies belegt auch die Studie „Aktienkultur in Deutschland“, die von drei deutschen Direktbanken in Auftrag gegeben wurde. Sie belegt unter anderem, dass die Deutschen die Renditen und Risiken verschiedener Anlageklassen teils völlig falsch einschätzen – was sich langfristig fatal auswirkt. Denn gerade Sparer mit langfristigem Anlagehorizont müssten im Sinne eines optimierten Vermögensaufbaus stärker als bisher an Wertpapiere – insbesondere Aktien und Aktienfonds – herangeführt werden. Nur so können sie auf lange Sicht Vermögensziele wie etwa eine auskömmliche Altersvorsorge zur Aufstockung der gesetzlichen Rente erreichen.

DIN 77230 stellt Beratungskompetenz sicher

Daraus ergibt sich, dass Banken und Sparkassen den Beratungsprozess fundierter als bisher vielfach üblich gestalten müssen. Hier kommt das Regelwerk der DIN 77230 ins Spiel: Erfolgt die Beratung gemäß der künftigen Din-Norm, werden automatisch wichtige Parameter wie die Risikoeinschätzung des Kunden und seine Vermögensziele im Kundengespräch abgefragt. Anhand dieser Angaben können Berater einschätzen, inwiefern für den Kunden Investments in Aktien und Anleihen beziehungsweise entsprechende Fonds als Baustein zum Vermögensaufbau infrage kommen und ihnen entsprechende Empfehlungen an die Hand geben. Das DIN-Regelwerk wurde von der Gesellschaft für Qualitätsentwicklung in der Finanzberatung (QIDF) aktiv mitgestaltet, die finale Version soll in den kommenden Wochen veröffentlicht werden.

 

Fotoquelle: Shutterstock – Portrait Images Asia by Nonwarit ID131543558

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