15.08.2018

Studie – Nachholbedarf in puncto Digitalisierung

An der Digitalisierung führt kein Weg vorbei. Das erkennen immer mehr Unternehmen aus den verschiedensten Wirtschaftszweigen. Dabei gilt es, die Digitalisierung sinnvoll in die Gesamtstrategie einzubetten. Bei den Banken hapert es daran noch: Lediglich rund jede vierte deutsche Privat- und Firmenkundenbank setzt eine aus der Gesamtstrategie abgeleitete, integrierte und abgestimmte Digitalisierungsstrategie um, heißt es in einer aktuellen Studie der Strategieberatung Oliver Wyman. Diese basiert auf einer Auswertung von Angaben der Top-50-Privat- und Firmenkundenbanken in Deutschland. Laut Studie wollen die Banken bis 2020 insgesamt bis zu sechs Milliarden Euro in Digitalisierungspläne investieren. Das entspricht knapp einem Achtel der Gesamterträge aus 2017.

Bislang zahlen sich Digitalisierungsinvestitionen nicht aus

Die Bankenwelt ist vergleichsweise spät auf den Digitalisierungszug aufgesprungen, heißt es von Oliver Wyman. Und das, obwohl wachsende Kundenanforderungen, digitale Wettbewerber und ein komplexer werdendes Regulierungssystem dazu führen, dass eine umfassende Digitalisierungsstrategie für die Wettbewerbsfähigkeit unabdingbar seien. Obwohl vielfach Chief Digital Officers (CDOs) ernannt würden, fehle den Digitalisierungsinitiativen häufig die digitale Vision – mit negativen Folgen für die Profitabilität, geben die Strategiberater zu bedenken. So seien trotz hoher Investitionen nur wenige positive Effekte erkennbar. So sind die Gesamterträge der Top-50-Banken zwischen 2014 und 2016 leicht gestiegen, gleichzeitig verbuchten die Banken aber auch einen überproportionalen Anstieg der Kosten, was sich in der auf 70 Prozent angestiegenen Cost-Income-Ratio niederschlägt. „Gemessen an Wachstum und Profitabilität haben sich die Investitionen bisher nicht ausgezahlt“, so das ernüchternde Fazit von Gökhan Öztürk, Partner im Bereich Financial Services und Leiter des Frankfurter Büros der Unternehmensberatung.

Digitaler Reset ist erforderlich

Dass die Digitalisierungsinvestitionen kaum Früchte tragen, resultiert Oliver Wyman zufolge neben der mangelnden Integration in die Gesamtstrategie aus fehlendem Know-How, eine hohe Risikoaversion, nicht klar fokussiertem Handeln und einer fehlende Innovationsgovernance. Aus ihren Erkenntnissen leiten die Unternehmensberater ab, dass die Banken ihre Digitalisierungsstrategie neu aufsetzen sollten. Diese sollte eine klare digitale Ambition sowie ein stringentes digitales Vertriebsmodell und eine höhere Bereitschaft zu Greenfield-Investitionen beinhalten. Zudem empfehlen sie, die Mitarbeiter enger einzubinden und ihnen die Vorteile dieser Strategie näherzubringen. So könne das Potenzial der Digitalisierung vollumfänglich ausgeschöpft und der digitale Wandel hin zu einem nachhaltigen Geschäftsmodell eingeläutet werden, betont Öztürk.

EY empfiehlt Kooperationen als Königsweg

Dass die Banken den Stellenwert der Digitalisierung klar erkannt haben, belegt auch eine Analyse der Beratungsgesellschaft EY, die 221 Banken aus 29 Ländern befragt hat. EY sieht den Königsweg darin, ein Ökosystem von Unternehmen aus der Branche sowie eine Vielzahl von Partnern zu nutzen. So ließen sich unter anderem Kosten senken, Risiken managen und bessere Dienstleistungen erbringen. Diesen von EY empfohlenen Weg gehen viele Banken bereits und setzen auf die Zusammenarbeit mit Fintechs, wie die Oliver Wyman-Studie zeigt: Aktuell dominieren Kooperationen im Bereich Banking Services mit einem Anteil von 42 Prozent, gefolgt von den Bereichen Payment (21 Prozent) und Investment/Anlage (16 Prozent). So kooperiert beispielsweise die ING-DiBa seit September 2017 mit dem Robo-Advisor Scalable Capital.

Von Seiten des Kunden denken – erfolgreich agieren

Das Thema Digitalisierung ist zweifellos überaus wichtig für Banken, um sich gegen die Konkurrenz aus den eigenen Reihen und auch gegen Fintechs zu behaupten. Dabei sollte auch beachtet werden, von der Kundenseite her zu denken. Vielfach lassen sich bereits mit Kleinigkeiten positive Effekte beim Kunden erzielen – beispielsweise über PDF-Formulare, die der Kunde direkt am Rechner ausfüllen und seiner Bank übermitteln kann. Schon mit solch einfachen Maßnahmen lässt sich die Kundenzufriedenheit steigern – und auf diese kommt es letztlich an, um im Wettbewerb zu bestehen. Die Gesellschaft für Qualitätsentwicklung in der Finanzberatung (QIDF) setzt genau hier an und unterstützt Banken bei der kundenorientierten Umsetzung ihrer Strategie. Mit der Fintech-Lösung FinGOAL! bietet die QIDF-Unternehmensgruppe Banken zudem ein Tool, mit dem sie das Beratungserlebnis ihrer Kunden optimieren können.

 

Fotoquelle: Shutterstock – boonchoke ID583590619

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