06.08.2018

Sparkassen starten mit Instant Payment

Überweisungen in Echtzeit tätigen anstatt zeitverzögert zu zahlen – für Kunden der deutschen Sparkassen ist dies seit dem 10. Juli möglich. Der Charme dieser Zahlungsmethode: Wer beispielsweise einen Gebrauchtwagen von privat kauft, kann direkt überweisen und der Verkäufer kann den Wagen umgehend herausgeben – da er in weniger als einer Minute bereits das Geld auf dem Konto hat. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass auch die Bank des Empfängers diese Möglichkeit anbietet und es sich um eine Euro-Überweisung in eines der 34 Länder des gemeinsamen europäischen Zahlungsraums (SEPA) handelt. Zudem liegt der Höchstbetrag je Überweisung bei 15.000 Euro. Ist dies der Fall, hat der Kunde die Wahl, ob er das Geld innerhalb von zehn Sekunden transferieren will oder das klassische SEPA-Verfahren bevorzugt. Der Vorteil: Die Überweisung erfolgt an 365 Tagen im Jahr. Zu Zahlungsverzögerungen, die sich beispielsweise bei Überweisungen am Freitag aufgrund des Wochenendes ergeben, kommt es daher nicht mehr.

Sparkassen und Hypovereinsbank preschen vor

Möglich ist die Teilnahme der Banken am SEPA-Echtzeit-Überweisungsverfahren für europäische Zahlungsdienstleister seit November 2017. Bislang ist sie für Kreditinstitute nicht verpflichtend – und deutsche Banken hielten sich hier bislang sehr zurück. Lediglich die Hypovereinsbank (HVB) bietet den Service seit November 2017 an, bis Ende dieses Jahres will auch die Deutsche Bank Instant Payment-Zahlungen anbieten. Auch die Volks- und Raiffeisenbanken wollen mit Echtzeit-Überweisungen starten. Europaweit nehmen aktuell laut Sparkassen- und Giroverband (DSGV) 1.100 Zahlungsdienstleister aus 15 Ländern des SEPA-Raums teil oder haben ihre Teilnahme angekündigt, das entspricht einer Quote von rund 26 Prozent.

50 Millionen potenzielle Nutzer auf einem Schlag

Da Echtzeit-Überweisungen die Teilnahme der Bank des Empfängers am Verfahren voraussetzen, trägt der Vorstoß der Sparkassen dazu bei, dass nun weitaus mehr Kunden als bisher diese Möglichkeit nutzen können. Denn immerhin erhalten damit nach Aussagen des DSGV 50 Millionen Kontoinhaber Zugang zu dieser Zahlungsmöglichkeit. Und je mehr Banken das Verfahren anbieten, desto eher kann es sich auch etablieren. Im übrigen Europa waren viele Banken schneller – vor allem in Spanien. Der DSGVO wiederum hatte bereits im Oktober 2017 seine Teilnahme angekündigt. Zudem sind Echtzeitüberweisungen innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe bereits seit Dezember 2017 über das Handy-zu-Handy-Bezahlverfahren Kwitt möglich. Die Echtzeitüberweisung sei ein weiterer Baustein in der hochmodernen, effizienten Payment-Infrastruktur der Sparkassen-Finanzgruppe, betont DSGV-Präsident Helmut Schleweis. Inwieweit die Kunden dieses Angebot nutzen, dürfte auch von der Gebührenstruktur abhängen: So können unterschiedlich hohe Kosten für die Echtzeit-Überweisung anfallen.

HVB zieht ein positives Fazit

Die HVB zieht ein positives Fazit zur Einführung der Echtzeit-Überweisung: Gegenüber dem Nachrichtenportal „Der Treasurer“ äußerte Thomas Dusch, stellvertretender Chef des globalen GTB-Geschäfts der Unicredit, dass die Anzahl der durchgeführten Transaktionen um rund 30 Prozent übertroffen worden seien. Er rechnet in den kommenden zwölf bis 18 Monaten mit einem deutlichen Anstieg, sobald mehr Banken Instant Payment anbieten.

Reputationsgewinn allein reicht nicht aus

Zweifellos bieten neue Services wie etwa die Echtzeitüberweisung einen Reputationsgewinn für die Sparkassen, die sich mit diesem Angebot ebenso wie die HVB gegenüber der Konkurrenz als innovative Kreditinstitute positionieren können. Um Bestandskunden nachhaltig an sich zu binden und auch für Neukunden attraktiv zu sein, reichen solche Angebote jedoch nicht aus. Sie werden zwar vom Kunden als positiv wahrgenommen – doch wie er die Bank im Ganzen einschätzt, wird auch in Zeiten der fortschreitenden Digitalisierung maßgeblich vom „Faktor Mensch“ mitbestimmt. Sprich: Der persönliche Kontakt zur Bank spielt im Kampf um den Kunden weiterhin eine wichtige Rolle. Welche Möglichkeiten sich anbieten, sich insbesondere in puncto Beratungsqualität von der Konkurrenz abzuheben, zeigt beispielsweise die umfassende 360-Grad-Analyse der Gesellschaft für Qualitätsentwicklung in der Finanzberatung (QIDF) auf.

 

Fotoquelle: Shutterstock – Alex Brylov ID377624656

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