11.07.2018

KMU – Digitalisierung bietet neue Wege der Kreditvergabe

Die fortschreitende Digitalisierung ermöglicht es Banken immer mehr, im Kreditgeschäft mit Firmenkunden neue Wege zu beschreiten. Als erstes deutsches Finanzinstitut hat sich die Commerzbank mit einem datenbasierten Firmenkredit in Stellung gebracht. Möglich wird diese Art der Kreditvergabe durch die digitale Vernetzung und Automatisierung von Maschinen über das Internet der Dinge. Auf diesem Wege können Nutzungs- und Produktionsdaten nicht nur verwertet werden, um beispielsweise Stillstandzeiten zu reduzieren. Die Daten lassen sich darüber hinaus auch für die Kreditvergabe verwenden.

Pay-per-Use-Kredit der Commerzbank: Tilgung ist an die Auslastung gekoppelt

Der neue Kredit funktioniert wie ein Investitionskredit, die Rückführung des Darlehens orientiert sich an der Maschinennutzung. Sind die Auslastung und damit der Umsatz gering, ist auch die Tilgung niedrig. Bei guter Auslastung und höheren Umsätzen wird die Tilgung automatisch erhöht. An der Entwicklung des Konzepts war nicht nur das Firmenkundensegment der Bank beteiligt, sondern auch der Anfang 2018 neu geschaffene Konzernbereich Big Data & Advanced Analytics. Den Prototyp dieses genannten Pay-per-Use-Kredits hat die Bank gemeinsam mit dem baden-württembergischen Werkzeugmaschinenhersteller EMAG entwickelt, die Umsetzung erfolgte mit der KMB Technologie Gesellschaft für rationelle Fertigung mit Sitz in Sachsen-Anhalt. Letztere setzt die Maschinen der EMAG im Automotive-Sektor für die Fertigung ein und hat mit dem neuen Kreditmodell die Investition in die neueste Maschinengeneration des Herstellers finanziert. Die Commerzbank sieht in diesem Kreditmodell ein weiteres wichtiges Element ihrer Digitalisierungsstrategie, die bereits über einen vollständig digitalisierten Beratungsprozess für Absicherungsprodukte und einen digitalen Kreditprozess umgesetzt wird.

Firmenkunden profitieren von Krediten auf Basis der Industrie 4.0

Die Industrie 4.0 bietet jedoch noch weitere Möglichkeiten, die Firmenkundenkredite attraktiver als bisher machen – etwa die automatische Erfassung des Working Capitals, die eine flexible Kreditzusage ermöglicht, berichtet Dr. Michael Jünemann, Partner und German Head of Banking & Finance bei der internationalen Anwaltskanzlei Bird & Bird LLP, in einem Beitrag für das Corporate Finance-Themenheft „Digitalisierung der Mittelstandsfinanzierung“, der auf www.der-bank-blog.de veröffentlicht wurde. So erhöht sich der Kreditrahmen bei steigendem Working Capital automatisch und umgekehrt. Auch kann über das Internet der Dinge beispielsweise mit der automatischen Bestellung einer neuen Fertigungskomponente eine Finanzierung eingeleitet werden. Der Vorteil für die Unternehmen: Sie können ihre Kredite passgenau und schneller tilgen, was zu niedrigeren Zinskosten führt. Zudem können solche Finanzierungen auch Unternehmen mit geringen Assets – etwa Dienstleister – den Zugang zu einem Kredit erleichtern.

Kreditaufnahme gestaltet sich für KMU häufig schwierig

Wie wichtig gerade Letzteres für kleine und mittlere Unternehmen ist, unterstreicht zum einen eine Zusatzbefragung zum Mittelstandspanel der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW): Laut Umfrage schrecken viele der befragten Entscheider davor zurück, weil sie erwarten, dass die Bank ihre Kreditanfrage aufgrund von Finanzierungsrisiken ablehnt. Zudem haben die Banken die Anforderungen an die Kreditvergabe erhöht, was mit hohem Aufwand und damit auch hohen Kosten für die Antragstellung einhergeht. In die gleiche Richtung geht eine Umfrage der Close Brothers Group, die vom Marktforschungsinstitut Censuswide durchgeführt wurde: Demnach hat rund jeder siebte deutsche Mittelständler Probleme, eine kreditbasierte Finanzierung zu erhalten.

Maßgeschneiderte Beratung bleibt auch in Zeiten des Internets der Dinge wichtig

Innovative Kreditlösungen bieten Banken gute Möglichkeiten, ihre Firmenkunden langfristig an sich zu binden. Hier gilt es also, entsprechende Überlegungen in die Digitalisierungsstrategie einzubeziehen. Gleichwohl bleibt eine gute Beratung auch in Zeiten des Internets der Dinge im Firmenkundenbereich ein Kernpunkt des Geschäfts – schließlich muss der Kunde auch erfolgreich von den Vorteilen neuer Kreditmodelle überzeugt werden. Der dafür erforderliche hohe Beratungsstandard lässt sich über verschiedene Module erreichen, die von der Gesellschaft für Qualitätsentwicklung in der Finanzberatung (QIDF) entwickelt wurden. Dazu gehört neben der 360-Grad-Analyse mit ausführlichem Check der Beratungsqualität auch die Anwendung FinGOAL!. Sie ermöglicht eine auf den Firmenkunden zugeschnittene Bedarfsanalyse. Die Anwendung ist so gestaltet, dass Kunden bereits vor dem Beratungstermin wichtige Daten zum Unternehmen eingeben können. Der Vorteil: So bleibt deutlich mehr Zeit, um wichtige Aspekte rund um die Kreditvergabe zu besprechen.

 

Fotoquelle: Shutterstock – wutzkohphote ID 578775499

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