03.07.2018

Google Pay startet in Deutschland

Der Startschuss ist gefallen: Der Internetgigant Google ist mit seinem kontaktlosen Bezahldienst Google Pay in Deutschland gestartet – als erster der so genannten GAFAs, wie die vier Internetkonzerne Google, Amazon, Facebook und Apple bezeichnet werden. Damit wird das Bezahlen an den Kassen künftig noch einfacher als bisher schon. Ermöglichte es die Near Field Communication (kurz: NFC) Technologie bereits seit Längerem, kontaktlos mit Giro- oder Kreditkarte zu bezahlen, müssen Google Pay-Nutzer nicht einmal mehr ihre Karte zücken, sondern einfach nur ihr Smartphone vors Lesegerät halten, um zu bezahlen. Bei Beträgen unter 25 Euro ist dafür nicht einmal das Entsperren des Handys erforderlich.

Nicht überall nutzbar, Android erforderlich

Genutzt werden kann Google Pay allerdings zunächst nur eingeschränkt – nämlich von Adroid-Nutzern – und nur dort, wo kontaktloses Bezahlen möglich ist – etwa in Filialen von Adidas, Aldi Süd, Hornbach, Kaufland, Lidl, McDonalds, Media Markt und Saturn. Auch fürs Online-Shopping können Verbraucher auf den Bezahldienst zurückgreifen. Integriert ist der Google Pay-Button beispielsweise in den Apps und Web-Auftritten von Adidas, Deliveroo,. Ryanair und ASOS, weitere werden laut Google folgen – darunter HelloFresh, myTaxi und Saturn.

Commerzbank und Comdirect preschen vor

Eine weitere Voraussetzung: Der Kunde benötigt eine Kreditkarte der unterstützenden Banken. Dies sind aktuell die Commerzbank, die Comdirect Bank, die Direktbank N26 und die Bezahl-App boon, die LBBW/BW-Bank sowie die Digitalbank Revolut werden demnächst folgen. Für die Nutzung von Google Pay muss die Kreditkarte angemeldet werden, was wahlweise über die Banking-App oder direkt über die Google Pay-App möglich ist. Die Commerzbank sieht sich mit diesem Angebot zusammen mit der Tochter Comdirect als Vorreiter im Bereich Mobile Payment. Letztere betont in ihrer Meldung zum Start von Google Pay deutlich, dass sie sich als „smarter Begleiter der Generation Mobile“ versteht und bereits seit 25 Jahren innovative Banking-Lösungen entwickelt, darunter Voice Banking über Google Assistant und Amazon Echo.

Mobile Payment ist (noch) ein Nischenthema

Während mobiles Bezahlen etwa in China gang und gäbe ist, fristet es hierzulande noch ein Nischendasein: Gemessen am Umsatz wurden laut einer Umfrage der Deutschen Bundesbank im vergangenen Jahr 48 Prozent der Einkäufe bar bezahlt, weitere 40 Prozent werden über Debit- und Kreditgarte beglichen, nur ein Prozent der Zahlungen erfolgte kontaktlos. Gleichwohl setzt Google Pay ein deutliches Signal, auf die Kreditinstitute unterschiedlich reagieren: Während Commerzbank und Comdirect auf Google Pay zurückgreifen, wollen die Sparkassen ihren Kunden eine eigene Bezahl-App mit NFC-Schnittstelle anbieten. Bei der Comdirect gibt man sich zuversichtlich, dass Google Pay die Akzeptanz dieser Bezahlform erhöhen wird: „Bereits heute bezahlen unsere Kunden 20 Prozent ihrer Einkäufe im stationären Handel kontaktlos mit Kredit- oder Girokarte, diesen Trend wird Google Pay verstärken“, so Comdirect-Vorstand Matthias Hach. Im Vergleich zu den Zahlen der Bundesbank zeigt sich, dass die Kunden der Bank aufgeschlossener gegenüber neuen Trends sind und mobiles Bezahlen bereits heute häufiger nutzen als der Durchschnittskunde.

Banken sollten sich auf Digital Natives einstellen

Auch wenn mobiles Bezahlen derzeit noch von einer Minderheit genutzt wird, sollten Banken das Thema auf der Agenda haben: Immerhin gelten bereits die so genannten Millennials der Jahrgänge 1980 bis 2000 – auch als Generation Y bezeichnet – als so genannte Digital Natives, die mit dem Internet aufgewachsen sind und daher als besonders online-affin gelten. Zu ihnen zählt auch die nachfolgende Generation Z, die wiederum mit den GAFAs als ständigem Begleiter aufgewachsen ist. Daraus folgt, dass Banken, die auch diese aufgeschlossenen Verbraucher erreichen wollen, mindestens im Bereich mobiles Banking attraktive Nutzungsmöglichkeiten bieten sollten, die dem Kunden einen echten Mehrwert bieten. Mobiles Bezahlen wäre dann ein weiterer Baustein, mit dem gezielt dieser Kundenkreis angesprochen werden kann. Diesen Weg geht die Comdirect derzeit, um als innovative Bank wahrgenommen zu werden. Dort ist man überzeugt, dass das Mobile Banking künftig das Online-Banking überholen wird.

360-Grad-Analyse hilft, das Kundenerlebnis im Ganzen zu optimieren

Unterstützung bei der Strategieausrichtung im Bereich Multi-Channel-Banking bietet die Gesellschaft für Qualitätsentwicklung in der Finanzberatung (QIDF) im Rahmen ihrer 360-Grad-Analyse. Denn es reicht nicht nur aus, den Kunden neueste technologische Standards wie etwa kontaktloses Bezahlen anzubieten, auch das Kundenerlebnis im Ganzen muss stimmig sein, um sich langfristig am Markt behaupten zu können. Dies ist auch deshalb wichtig, weil der Wettbewerb um den Kunden sich möglicherweise im Zuge eines Markteintritts der GAFAs mit eigenen Finanzprodukten wie etwa Girokonten weiter verschärft könnte. Und das dürfte umso mehr für online-affine Kunden gelten, die häufig über ein höheres Einkommen verfügen und daher eine attraktive Zielgruppe darstellen. Hinzu kommt, dass sie noch jung sind und daher für viele Angebote der Banken in Betracht kommen.

 

Fotoquelle: Shutterstock – Joker1991 ID509176441

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