12.11.2018

Filialkonzepte im Check: Die Hamburger Volksbank

Die Sparkassen als auch Großbanken verfolgen unterschiedliche Strategien, um ihr Filialnetz in Zukunft möglichst kundennah und profitabel zu betreiben. Wie gehen die Genossenschaftsbanken dabei vor? Einen Einblick in die Strategie einer solchen Bank – genauer gesagt: Der Hamburger Volksbank – lieferte kürzlich der Vorstandssprecher Dr. Reiner Brüggestrat auf einer Veranstaltung in Hamburg zum Thema Banking 4.0. Dabei räumte er gleich zu Beginn des Vortrags ein, dass die Bank im Vergleich zur dominierenden Hamburger Sparkasse im übertragenen Sinne eher St. Pauli als HSV sei – und mit deutlich geringerem Budget auskommen müsse, um sich in puncto Kundenbetreuung vor Ort fit für die Zukunft zu machen.

Die Bank wirbt mit dem Slogan „Man kennt sich“ und will diese Philosophie auch weiterhin gegenüber den Kunden vertreten, wobei sie auf allen Kanälen – also auch digital – stattfinden soll. Um dies auch aus Kostenaspekten möglichst effizient zu erreichen, wurden in jüngster Zeit für zwei der insgesamt 36 Standorte in und um Hamburg zwei Zukunftsformate für die Standorte Finkenwerder und Meckelfeld entwickelt. In den letzten Jahren wurden vier Filialen mit Nachbarzweigstellen zusammengelegt, weitere Filialschließungen würden dem Anspruch der Bank, gut erreichbar zu sein, widersprechen.

Finanzhaus statt Filiale

Das erste Zukunftsformat „Finanzhaus“ soll zeigen, wie eine lokale Präsenz künftig aussehen und die klassische Filiale ablösen kann. Umgesetzt wurde es im Stadtteil Finkenwerder im Rahmen der Überlegung zur Schließung der bisherigen Filiale. Aufgrund der isolierten Lage des Stadtteils erschien eine Zusammenlegung mit der nächstgelegenen Filiale als Lösung nicht geeignet. Im Finanzhaus können die Kunden weiterhin Geld abheben – aber ausschließlich am Automaten, denn eine Kasse gibt es nicht. Auch Überweisungsbelege können eingereicht oder ein Beratungstermin bei der Mitarbeiterin Alexandra Bruhns vereinbart werden.

Ein auf das Thema spezialisierter Berater kommt dann dorthin, wo der Kunde es wünscht – sei es in seinem Büro, zuhause oder an einen anderen vereinbarten Ort. Mit Bruhns hat sich die Bank bewusst für eine Mitarbeiterin aus dem Stadtteil entschieden, die lokal gut vernetzt ist und seit 10 Jahren dort wohnt. Sie soll die Bank in Finkenwerder repräsentieren. Die Zahl der Kunden ist seit der Eröffnung des Finanzhauses im Februar 2018 leicht zurückgegangen, wie Brüggestrat einräumt. Eine komplette Schließung des Standorts hätte sich hingegen als deutlich gravierender erwiesen, so sein Fazit. Er sieht in solchen Präsenzen Zukunftspotenzial, auch wenn das Konzept sich in Finkenwerder als stark personalisiert erweist und nicht auf alle Stadtteile übertragbar ist.

Öffnungszeiten an Kundenbedürfnisse anpassen

Das zweite Zukunftsformat wurde bislang zunächst am Standort Meckelfeld vor den Toren Hamburgs umgesetzt und beinhaltet veränderte Öffnungszeiten. Die Initiative hierfür ging übrigens von den Mitarbeitern aus. Die Filiale ist nun zwischen 9 und 12 Uhr geöffnet, zwischen 12 und 19 ist auch eine Beratung möglich. Auch im Stadtteil Alsterdorf wurde das Konzept mittlerweile umgesetzt. In den Randzeiten sowie nachts steht das Kundendialogcenter zusätzlich zur Verfügung. Es ermöglicht morgens zwischen 7 und 9 Uhr den persönlichen Kontakt, zwischen 19 und 7 Uhr soll ist die Bank digital erreichbar.

 

Fotoquelle: Shutterstock – pure Solution – ID 313785899

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