06.11.2018

Filialkonzepte im Check: Die Hamburger Sparkasse

Es ist kurz vor 18 Uhr in der Filiale der Hamburger Sparkasse (Haspa) in der Osterstraße, einer stets gut besuchten Einkaufsstraße im beliebten Hamburger Stadtteil Eimsbüttel. Alle Schalter sind besetzt, Kunden kommen und gehen, lassen sich am Schalter beraten, heben Geld ab, drucken Kontoauszüge aus. Einer steuert auf eine Art Schrank zu, der wirkt wie eine DHL-Packstation im Kleinformat. Hinter den Schaltern ist eine Art Wandinstallation, bestehend aus Kinderschuhen zu erkennen, dazu einige Bücherregale.

Eine Mitarbeiterin fragt sofort, ob sie weiterhelfen könne. Ja, kann sie – denn sie weiß, dass gleich eine Gruppe eintreffen wird, die der stellvertretende Filialleiter Tino van Mark durch die Räumlichkeiten führen wird, um das Filialkonzept live vor Ort zu erläutern. Die Gruppe setzt sich aus Teilnehmern einer Fachkonferenz rund ums Thema Banking 4.0 zusammen, zur Wahl stand außerdem der Besuch einer Filiale des FinTechs kredit.de.

Wer hier anwesend ist, will jedoch wissen, was sich hinter dem Haspa-Schlagwort „Filiale der Zukunft“ verbirgt – und wie erfolgreich das Konzept seit dem Umbau im Dezember 2017 bislang ist, das seit dem Startschuss im Frühjahr 2017 in fünf Filialen umgesetzt wurde und schrittweise auf weitere Zweigstellen ausgedehnt werden soll. Rund 30 Millionen Euro lässt sich die Sparkasse den Umbau der Filialen kosten, der 2020 abgeschlossen sein soll.

Die Idee: Bankfiliale als Nachbarschaftstreff

Van Mark führt die Gruppe hinter den Schalterbereich, wo neben einer Kaffeebar der „Nachbarschaftstisch“ – eine Art Esstisch im XXL-Format – für Besucher bereitsteht. Er kann auch von Leuten genutzt werden, die kein konkretes Anliegen haben und sich einfach nur die Zeit bis zum Arzttermin um die Ecke vertreiben wollen, betont van Mark und ergänzt, dass das massive Möbel von einem Tischler aus dem Stadtteil gefertigt wurde.

Auf dem Tisch verteilt liegen diverse iPads, die für die Erledigung von Online-Banking-Transaktionen genutzt werden können. Gratis WLAN gibt es obendrein. Eine Art schwarzes Brett kündigt diverse Veranstaltungen an, ein Monitor befindet sich gleich daneben. Dazu Regale mit Büchern aller Art sowie ein Schaukasten, in dem ein Laden aus der Gegend seine Produkte vorstellt. An der Wand hängen zahlreiche Kinderschuhe, das ganze wirkt wie eine moderne Kunstinstallation.

Van Mark erläutert, dass ein Laden aus der Umgebung die Fläche nutzt, um für sein Angebot an Kinderschuhen zu werben. Die Ausstellung von Produkten aus der Gegend gehört zum Filialkonzept und soll den Charakter des Nachbarschaftstreffs betonen, als der dieser Raum dienen soll. Das Interesse von Läden und Gastronomen aus der Umgebung ist van Mark zufolge sehr groß, jeweils eine Woche lang für ihr Angebot zu werben. Für anderthalb Jahre sei die Nachfrage bereits vorhanden, erklärt er.

Bücherbörse, Schließfächer, Events

Zum Konzept „Nachbarschaftstreff“ gehört auch, dass Bücher vorbeigebracht werden können, die dann vor Ort verkauft werden. Bislang wurden van Mark zufolge rund 10.000 Bücher zum Preis von jeweils 3 Euro verkauft. Die „Packstation“ im Eingangsbereich soll ebenfalls dafür sorgen, dass mehr Kunden in die Filiale kommen. Sie kann beispielsweise genutzt werden, um nach Ladenschluss beim Buchladen um die Ecke bestellte Bücher abzuholen. Voraussetzung dafür ist, dass sich der Kunde einmalig bei der Haspa-eigenen App namens „Kiekmo“ registriert, die nicht nur von Kunden der Sparkasse genutzt wird.

Der neugestaltete Raum wird auch von Firmen aus der Gegend für Events genutzt werden, bislang gab es verschiedenste Veranstaltungen wie Tupper-Partys, einen Kita-Abend oder auch eine Networking-Veranstaltung der Businessplattform Xing. Im 1. Stockwerk führt van Mark die Beratungsräume vor, in denen von Künstlern aus dem Viertel individuell gestaltete Objekte ausgestellt sind. Auch damit wolle man den Bezug zum Quartier betonen, erläutert van Mark und verweist auf die hohe Identifikation der Eimsbütteler mit ihrem Stadtteil, von denen 70 Prozent bevorzugt in ihrer Gegend einkaufen.

Deutlich mehr Zulauf, aber (noch) keine nennenswerte Ertragssteigerung

Nach den bisherigen Erfahrungen mit dem neuen Filialkonzept befragt, räumt van Mark ein, dass seit dem Umbau noch keine signifikante Zunahme der Umsätze zu verzeichnen sei. Das Kundenaufkommen sei seit dem Umbau der Filiale jedoch deutlich messbar von rund 1.100 am Tag um rund 36 Prozent auf durchschnittlich 1.500 gestiegen. Dabei betont er auch, dass die Mitarbeiter das neue Konzept sehr begrüßen. Das Konzept scheint also zumindest in der Hinsicht aufzugehen, dass die Filiale mehr Besucher anzieht. Nun steht der Beweis noch aus, dass sich mit dem neuen Konzept auch die Ertragsseite verbessert.

 

Fotoquelle: Shutterstock – lenetstan – ID 535567966

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