04.07.2018

Digitalisierung wird auch im Firmenkundengeschäft immer wichtiger

Bankgeschäfte zu jeder Zeit erledigen zu können – das gefällt Verbrauchern. Daher setzen immer mehr Banken auf das Multikanal-Banking, um ihren Kunden verschiedene Möglichkeiten der Interaktion zu bieten. Doch wie steht es eigentlich um die Digitalisierung im Firmenkundensegment? Dieser Frage ist die Boston Consulting Group (BCG) im Rahmen der Studie „Global Corporate Banking 2018: Unlocking Success through Digital“ nachgegangen, für die weltweit 200 Firmenkundensegmente analysiert sowie Führungskräfte der Banken befragt wurden. Die Kernthese der Studie: In fünf Jahren werden 30 Prozent der Erträge im Firmenkundensegment ausschließlich digital erwirtschaftet.

Firmenkundengeschäft unter Druck

86 Prozent der befragten Führungskräfte erwarten zudem, dass die Digitalisierung sowohl die Wettbewerbslandschaft als auch die Wirtschaftlichkeit des Geschäfts beeinflussen wird. Und um das Firmenkundengeschäft steht es nicht unbedingt zum Besten: In Deutschland ist das Ergebnis nach Kapitalkosten negativ und seit 2014 gesunken. Lediglich jede vierte Bank verdiente im Geschäftsjahr 2016 die von der BCG unterstellten Kapitalkosten. „Der Druck auf die Margen ist unverändert hoch, gleichzeitig sind regulatorische und operative Kosten gestiegen“, erläutert Oliver Dany, Senior Partner bei der BCG und Leiter des deutschen Corporate Banking-Bereichs. Die Strategieberatung geht davon aus, dass die Erträge aus dem Firmenkundengeschäft bis 2021 in Deutschland um lediglich 0,5 Prozent pro Jahr steigen. Auch erwartet die BCG einen härteren Wettbewerb durch Banken aus dem Ausland.

Es besteht Handlungsbedarf in Sachen Digitalisierung

Obwohl die Ergebnisse nach Aussage der BCG für Deutschland alarmierend sind und die Bedeutung der Digitalisierung von der Mehrheit der Befragten erkannt wurde, äußern nur 43 Prozent der Teilnehmer, dass sie eine explizite Digitalstrategie verfolgen. Und lediglich 19 Prozent geben an, dass ihr Unternehmen eine marktführende Digitalkompetenz innehat, heißt es in der aktuellen Auflage der seit 2001 regelmäßig durchgeführten Studienreihe zur Lage der Banken im Firmenkundensegment.

Die BCG leitet aus den Studienergebnissen vier Handlungsempfehlungen ab:

  • Verbesserung des Kundenerlebnisses und Kosteneinsparungen durch Digitalisierung der Kunden- und Bankprozesse
  • Datenpotenzial nutzen, um Kunden besser zu verstehen und individuelle Angebote zu ermöglichen
  • Flexibilisiertes Betriebsmodell sowie Öffnung für Kooperationen, um schnell Innovationen und neue Technologien anwenden zu können
  • Digitale Kultur in allen Unternehmensbereichen vorantreiben und eine dynamische Arbeitsweise etablieren.

Beispiel Sparkassen: Die Firmenkunden-App „Finanzcockpit“

Wie sich die Digitalisierung im Firmenkundensegment vorantreiben lässt, zeigt beispielsweise die Strategie der Sparkassen: Sie wollen mit mobilen Anwendungen für Smartphone und Tablet auch ihren Geschäftskunden Nutzungsangebote bieten. Für diese Kundengruppe ist der Nutzen durch solche Tools noch größer als bei Privatkunden, da sie den Arbeitsalltag der Geschäftsführer vereinfachen können. Die „Finanzcockpit“-App der Sparkassen wurde vom Hamburger Unternehmen Star Finanz so gestaltet, dass die Geschäftskunden stets einen Überblick über alle wichtigen Finanzkennzahlen ihres Unternehmens haben und über Veränderungen automatisch via Push-Nachricht informiert werden. Welche Daten angezeigt werden, legt der Kunde individuell fest. Auch das Liquiditätsmanagement ist über die App bequem möglich. In späteren Versionen soll es möglich sein, über eine Kommunikationsschnittstelle direkt mit der Sparkasse in Kontakt zu treten. Weitere Funktionen wie etwa detaillierte Analysen zu den Unternehmensfinanzen sollen ebenfalls integriert werden.

360-Grad-Analyse zeigt Potenziale im Firmenkundensegment auf

Wie die BCG-Studie und die Vorgehensweise der Sparkassen zeigt, sind Kreditinstitute gut beraten, sich nicht nur im Privatkundensegment, sondern auch im Firmenkundenbereich mit der Digitalisierung auseinanderzusetzen. Hierfür gilt es, die bestehenden Prozesse zu durchleuchten und zu optimieren sowie einen hohen Qualitätsstandard zu gewährleisten. Diese Beratungsdienstleistungen bietet die Gesellschaft für Qualitätsentwicklung in der Finanzberatung (QIDF) über ihre 360-Grad-Analyse an, die sich aus vier Bausteinen zusammensetzt und sowohl auf das Privat- als auch das Firmenkundengeschäft angewendet werden kann. Sie bietet sich insbesondere für die von der BCG genannten Handlungsempfehlung zur Verbesserung des Kundenerlebnisses an, da die Kundenorientierung den Kernpunkt der Analyse darstellt.

In Ergänzung dazu erleben wir auch immer mehr Regionalbanken, die ihre Beratungsprozesse im Gewerbekundensegment digitalisieren wollen; im besten Fall sogar mit einer arbeitsteiligen Vorgehensweise, bei der der Geschäftskunde seine Daten bereits im Vorfeld aktualisieren kann, um auf Basis dessen ein deutlich effizienteres und kürzeres Beratungsgespräch erleben zu können. #FinGOAL! #DigitalisierungAusSichtDerKunden

 

Fotoquelle: Shutterstock – Tippa-Patt ID794514067

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