08.05.2018

Die DIN-Norm für die Finanzberatung kommt – Interview mit Kai Fürderer, Geschäftsführer der Gesellschaft für Qualitätsentwicklung in der Finanzberatung mbH

Redaktion (RD): Herr Fürderer, wie ist denn der Zeitplan für die DIN 77230?

Kai Fürderer (KF): Wir rechnen in wenigen Tagen bzw. Wochen mit der Veröffentlichung der ersten Lesefassung und bis Sommer mit der finalen Version der DIN-Norm für die Finanzberatung.

RD: Das heißt konkret?

KF: Das heißt, dass es ab dem Zeitpunkt ein objektives und fundiertes Regelwerk hinsichtlich der Frage gibt, was eine gute Bedarfsanalyse bzw. exzellente Beratungsqualität ist.

RD: Wie kann man das mit einem pauschalen Regelwerk überhaupt definieren?

KF: Das ist möglich, indem man bei der gesamten Logik zahlreiche Parameter definiert hat, die u.a. in Abhängigkeit von der Lebens- und Wohnsituation, der Einkommens- und Vermögenssituation gepaart mit den vorhandenen Finanzprodukten zu individuellen Bedarfen bzw. Lücken führen, die es anschließend zu besprechen bzw. zu schließen gilt. Damit ist das Regelwerk der DIN 77230 geeignet, um für jeden Privatkunden ein individuelles (finanzielles) Blutbild zu zeichnen. Und das war auch das Ziel.

RD: Beschäftigen sich aus Ihrer Sicht schon zahlreiche Finanzdienstleister mit den Konsequenzen und Chancen dieser DIN-Norm?

KF: Wir kennen schon einige Versicherungen, Banken und Sparkassen, die sich damit auseinandersetzen, da sie sowohl den Vorteil des Regelwerks für die eigenen Beratungs- bzw. Analyseprozesse sehen als auch gleichzeitig den Anspruch der Qualitätsführerschaft haben. Für die meisten ist diese Konkretheit des DIN-Standards eher eine Ergänzung bzw. Weiterentwicklung auf Basis der aktuellen Prozesse und somit sehr gut geeignet, um besser und/oder effizienter zu werden. Das ist teilweise auch die Basis für eine gute Digitalisierungsstrategie.

RD: Und wie schätzen Sie die Situation bei den anderen Finanzdienstleistern ein?

KF: Ich glaube denen geht es in Teilen so wie heute vielen Unternehmen bei der Umsetzung der DSGVO: sie sehen weder die Chance noch die Relevanz für das eigene Unternehmen. Weniger vom „muss“ als vielmehr von der „Sinnhaftigkeit“ her!

RD: Herr Fürderer, vielen Dank für das Gespräch!

 

Fotoquelle: Shutterstock –  docstockmedia ID225632023

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