16.10.2018

Absicherung der eigenen Arbeitskraft – ein zu oft unterschätztes Risiko

Das Risiko des Verlusts der eigenen Arbeitskraft versuchen heute noch viele über eine Krankenversicherung oder eine Unfallversicherung in den Griff zu bekommen. Leider sind es nach einer Studie der Gothaer Versicherung aus diesem Jahr aber nur 38%, die den richtigen Weg zum geeigneten Schutz über eine Berufsunfähigkeitsabsicherung wählen.

Denn vielen Verbrauchern ist gar nicht bewusst, in Folge welcher Erkrankungen die eigene Arbeitskraft dauerhaft eingeschränkt oder gar vollständig ausfallen kann. Das muss z.B. nicht in Folge eines Unfalls geschehen, so dass in diesem Fall eine Unfallversicherung auch nicht das richtige Mittel der Wahl ist.

Die Studie der Gothaer Versicherung hat gezeigt, dass mehr als 50% von Berufsunfähigkeitsfällen durch Depression oder andere psychische Erkrankungen erfolgen. Gefolgt von Unfällen, Nervenerkrankungen etc. – siehe Schaubild.


Doch wie wichtig eine Berufsunfähigkeitsabsicherung ist, versteht man erst dann, wenn man alle Zusammenhänge dieses Risikos verstanden hat.
Stellt sich bei einem Arbeitnehmer der Fall einer dauerhaften Erkrankung ein, so greift zunächst die sechswöchige Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Diese Leistung wird vom Arbeitgeber erbracht. Danach ergibt sich für den Arbeitnehmer bereits die erste Lücke, da die Zahlung des Krankengelds durch die gesetzliche Krankenversicherung gerade nur noch ca. 70% des Nettolohns ausmacht.

Weiteres Manko ist, dass auch diese Leistung nur bis zu 72 Wochen ausgezahlt wird. Die zweite Lücke entsteht, wenn nach den 72 Wochen die Beschäftigung nicht wieder aufgenommen werden kann. Denn jetzt kann man, wenn man nicht mehr als 6 Stunden pro Tag arbeiten könnte, allenfalls nur noch eine gesetzliche Erwerbminderungsrente beantragen. Aber Achtung! Junge Leute müssen dabei noch auf Mindestversicherungszeiten von 5 Jahren achten, sonst fällt auch dieser Schutz komplett weg.

Diese Erwerbsminderungsrente ist im Prinzip allerdings nicht geeignet, den gewohnten Lebensstil aufrechtzuerhalten. In vielen Fällen droht ohne eine private Absicherung eine existentielle Notsituation. Diese Erwerbsminderungsrente beträgt maximal ca. 33% vom bisherigen Bruttoeinkommen (im besten Fall).

Auch bei dieser Absicherungsform gilt als Regel: Je jünger, je besser, je günstiger, denn bei jungen Menschen haben sich häufig noch nicht so viele Beschwerden gezeigt, wie bei reiferen Menschen. Außerdem sind ihre Beiträge noch deutlich geringer also bei einem älteren Menschen – nicht zuletzt durch die längere Laufzeit. Aber auch beim Abschluss dieser Versicherung muss man sich die Bedingungen genau anschauen und im Zweifel mit einem unabhängigen Profi besprechen. Denn gerade bei akademischen Berufen ist eine abstrakte Verweisbarkeit auf einen nichtakademischen Beruf oft nicht zielführend.

Auch die Höhe der Absicherung sollte unbedingt besprochen werden, dann ein unzureichender Schutz hilft im schlimmsten Fall nicht weiter. Empfehlenswert sind ca. 80% des Nettolohns als Rentenzahlung, die dann auch weiterhin ganz normal versteuert werden muss.

Auch die Laufzeit der Rente muss realistisch sein. Empfehlenswert ist eine Absicherung bis 67 Jahre, damit bis zum Altersrenteneintritt zumindest der Lebensunterhalt gedeckt ist.
Auch für chronisch Kranke oder Vorgeschädigte, die aufgrund einer strengen Gesundheitsprüfung vor Abschluss einer Berufsunfähigkeitsabsicherung stehen, nicht versicherbar sind, gibt es mittlerweile Lösungen. Einige Versicherer bieten in diesen Fällen sogenannten Dread-Desease-Versicherungsschutz an. Dread-Desease bedeutet übersetzt in etwa „Schwere-Krankheiten-Vorsorge“. Es handelt sich dabei um eine Personenversicherung, die beim Eintritt von im Vorfeld fest definierten schweren Krankheiten ausgezahlt wird.

 

Fotoquelle: Shutterstock – michaeljung ID145003498

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