Fürderer Gauder QIDF

Interview mit den Geschäftsführern der QIDF, Kai Fürderer und Markus Gauder, zum Thema „DIN-Standard“ für Finanzdienstleister

Redaktion: Einige wenige Marktteilnehmer stehen dem „DIN-Standard“ kritisch gegenüber, weil er (aus deren Sicht) lediglich Regeln für einen Versicherungscheck zum Inhalt hat.

Kai Fürderer (KF): Das Argument kenne ich; das zeigt aber sehr deutlich, dass sich jemand noch gar nicht mit der DIN SPEC 77222 oder dem sich auf der Zielgeraden befindenden „DIN-Standard“ (als DIN-Norm 77230) auseinandergesetzt hat.

Ja, das DIN-Regelwerk ist aus Sicht der Kunden gemacht und soll einen inhaltlichen bzw. qualitativen Mindeststandard definieren. Ich sage immer, dass wir die „finanziellen Staubecken“ definieren, bei denen ich mich (als Kunde) darauf verlassen kann, dass ein Finanzberater sich darum kümmert. Bei dieser Frage – gerade auch vor dem Hintergrund, dass jeder Euro nur einmal ausgegeben werden kann – geht es im ersten Schritt um existenzielle Lebensrisiken, auf die es hinzuweisen gilt (im Rahmen einer Bedarfsanalyse). Da kommen wir unweigerlich nicht um ein paar wenige Versicherungen herum, die diese Lücken schließen würden.

Redaktion: Zum Beispiel?

KF: Es geht im Kern lediglich (im ersten Schritt) um die Haftpflichtversicherung und die Absicherung des Einkommens (Stichwort: Krankentagegeld und Berufsunfähigkeitsversicherung). Das ist deutlich weniger als bei vielen Finanzdienstleistern und hilft, dass Kunden (durch diese Priorisierung) nicht vollversichert auf ihre eigene Altersarmut zusteuern.

Redaktion: Herr Gauder, sehen Sie das genauso?

Markus Gauder (MG): In der Tat. Aber ich gehe sogar noch einen Schritt weiter. Wenn diese Fokussierung (was wirklich wichtig ist) nicht auch noch gleichzeitig mit Vorgaben einhergeht, wie man die Lücken bzw. die anschließenden Angebote berechnet, ist das qualitativ weder konsequent noch gut. Weil eine „BU“ (Berufsunfähigkeitsversicherung) erst dann richtig und sinnvoll ist, wenn sie mit den richtigen Parametern angeboten bzw. abgeschlossen wurde.

Redaktion: Und das gibt die künftige „DIN-Norm“ auch vor?

MG: Ja. Aus unserer Sicht ist es auf Basis dessen in Einzelfällen auch möglich, dass man eine abweichende Hausmeinung zur DIN definiert. Wir sehen den „DIN-Standard“ als Grundlage für ein inhaltliches Sparring und man sollte gute Gründe haben, wenn man davon abweicht. Wichtig ist nur, wenn man andere Werte definiert (bspw. für eine „richtige BU-Lücke“), dass das dann alle Berater/-innen in allen Gesprächen berücksichtigen. Nur dann ist eine Qualität pro Anbieter auch faktisch erlebbar.

Redaktion: Das klingt erst einmal sehr einfach und durch diese Automation sind irgendwann Berater/-innen entbehrlich, oder?

KF: Ja, diese Eindeutigkeit in einer Bedarfsanalyse (vergleichbar mit einem Labor, welches Blutbilder analysiert) macht das Leben u.E. leichter. Aber seien Sie versichert, die einfache Darstellung von Bedarfen und Lücken ist ein sehr komplexes Rechenwerk, wenn man versucht, dieses in eine IT-Anwendung zu überführen. Das liegt schon alleine an den verschiedenen Parametern, über welchen „Kundentypus“ wir sprechen und wie sich dessen Lücken ermitteln (bspw. Angestellt vs. Beamte).

MG: Und „Nein“ bzgl. der Entbehrlichkeit der Berater (in der Fläche). Und genau deshalb, weil wir jetzt konkreter werden könnten, wenn wir wollten, kommen wir in Kundengesprächen viel weiter und hierfür braucht der Kunde einen Ansprechpartner. Sowohl weil diese existenziellen Themen nicht sexy sind als auch weil die Angebote (auch im Vergleich zu Wettbewerbern) erklärungsbedürftig sind.

Redaktion: Aber der DIN-Standard für die Finanzberatung ist kein Gesetz o.ä.?

KF: Ja, das ist richtig. Aber am Ende geht es doch inhaltlich viel mehr um die Frage, ob man damit Prozesse von heute vereinfachen kann (wenn man die DIN-Regeln als Grundlage nimmt) und diese Entwicklung somit auch Chancen bietet UND darüber hinaus ob man als Qualitätsführer nicht den Anspruch hat (von ganz alleine) diesen Mindeststandards genügen zu wollen. Das muss aber jeder Finanzdienstleister bzw. jede Bank für sich selbst entscheiden.

MG: Unser Beirat der Gesellschaft für Qualitätsprüfung hat jüngst in einem Vortrag einen beeindruckenden Satz von sich gegen – „Wir (Banken) müssen wieder in Chancen denken!“ (und nicht nur in Regulatorik und Risiken). Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Redaktion: Wie groß wird die Veränderung in Banken und Sparkassen sein, wenn man diesen DIN-Standard einführt bzw. berücksichtigt?

KF: Gefühlt bestätigt es die heutige Beratungsphilosophie (bspw. der Sparkassen mit der Finanzpyramide oder auch der VR-Banken mit dem Finanzhaus) voll und ganz. ABER diese Eindeutigkeit und Klarheit in der bedarfsfeldübergreifenden Finanzanalyse in Verbindung mit den klaren Vorgaben für die Empfehlung bzw. Angebotsberechnung ist eine gravierende Umstellung sowohl im Prozess als auch noch viel mehr in den Köpfen. Und das darf man nicht unterschätzen.

Redaktion: Und wie geht es jetzt weiter? Ist nach der DIN vor der DIN?

MG: Ein klares „Ja“ – wir bringen in Kürze eine DIN SPEC für Gewerbekunden (gemeinsam mit interessierten Filial- bzw. Regionalbanken) auf den Weg. Wir stehen zu dieser qualitativen Fokussierung in eigener Sache und berücksichtigen diese in jedem Unternehmen der QIDF-Unternehmensgruppe. Somit bleibt es inhaltlich spannend – wir freuen uns darauf!

Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch!

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