24.01.2018

Beitrag zur PwC-Umfrage – EU-Regulierung verschärft Wettbewerb im Finanzsektor

Bankkunden zeigen sich zunehmend offen für Alternativen zu ihrer Hausbank. Die neue Zahlungsdienste-Richtlinie PSD2 (Payment Services Directive 2) der EU-Kommission dürfte diesen Trend noch weiter verschärfen und dazu beitragen, dass den Banken die Kunden davonlaufen. Das ist das Fazit einer Umfrage zur PSD2, die 2017 im Auftrag der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) unter rund 1.000 repräsentativ ausgewählten Bundesbürgern durchgeführt wurde. Wie die Umfrage ergab, verfügen bereits 56 Prozent der Befragten über Konten bei mehr als einer Bank, 41 Prozent nutzen eine Finanz-App ihres Kreditinstituts, 2016 lag der Anteil der App-Nutzer noch bei 32 Prozent. Über alle Altersklassen hinweg verwendet mittlerweile rund jeder sechste Befragte eine Finanz-App, die nicht von der Hausbank bereitgestellt wurde. Unter den 18- bis 29-Jährigen nutzen 24 Prozent mindestens eine solche App, in der Altersgruppe „30 bis 39 Jahre“ ist die Quote mit 25 Prozent geringfügig höher, unter den 40- bis 49-Jährigen liegt sie bei 21 Prozent. Gegenüber einer Befragung zum Thema aus dem Vorjahr ist der Anteil der Nutzer solcher Apps deutlich gestiegen. So lag die Quote 2016 noch bei elf Prozent – rund sechs Prozentpunkte niedriger.

Finanz-Apps, die nicht von der Hausbank stammen, werden fleißig genutzt

Wie die Umfrage weiter belegt, verwenden die Nutzer von Hausbank-fremden Finanz-Apps diese keineswegs nur für spezielle Dienste wie das so genannte „Social Trading“, bei dem Anleger ihre Meinung zu bestimmten Geldanlagen oder ihre Depots öffentlich machen und andere diese dann kommentieren und nachbilden können. Vielmehr wickeln sie mit Hilfe dieser Apps Kerndienstleistungen des herkömmlichen Bankgeschäfts ab: So verwenden 63 Prozent der Nutzer solcher Apps diese anstatt einer Finanz-App der Hausbank, um ihren Kontostand abzurufen. Zudem nutzt die Hälfte der Befragten eine Finanz-App, um Überweisungen durchzuführen, 38 Prozent der Nutzer verwenden solche Apps, um Mitteilungen abzurufen – etwa zu Veränderungen im Depot.
29 Prozent verwenden eine App, die das bargeldlose Bezahlen an der Kasse ermöglicht. Ebenso groß ist der Anteil derer, die Finanz-Apps für die allgemeine Informationssuche verwenden – etwa zu Produkten oder Marktentwicklungen. Jeder vierte Nutzer Hausbank-fremder Finanz-Apps nutzt diese zudem zum Führen eines Haushaltsbuchs, also zur Erfassung und Auswertung von Einnahmen und Ausgaben. 19 Prozent der befragten Nutzer rufen über die App eine Übersicht über ihr Wertpapier-Depot auf, 17 Prozent handeln über die App mit Wertpapieren. Zudem verwenden 14 Prozent der Befragten diese Apps für die Auswahl von Anlagestrategien.

PSD2: PwC erwartet Umbruch im Zahlungsverkehr

Laut PwC ist davon auszugehen, dass die PSD2-Richtlinie sich in Bezug auf die Art und Weise, wie die Bankkunden ihre persönlichen Bankgeschäfte durchführen, als Wendepunkt erweisen könnte – angefangen bei der schlichten Überweisung über das Managen des Wertpapierdepots bis hin zu Zahlungsdienstleistungen, so die Prognose von PwC. Die neuen Anbieter, insbesondere solche mit Schwerpunkt auf dem Zahlungsverkehr, haben sich bereits in Stellung gebracht: So verwenden mittlerweile 26 Prozent der Befragten Zahlungsdiensteanbieter wie Paypal oder Sofort, anstatt ihre EC-Karte, Kreditkarte oder den Rechnungskauf als Zahlungsmethode anzuklicken.

Insgesamt nutzen 86 Prozent der Befragten diese Zahlungsmethoden beim Online-Einkauf, 54 Prozent der Umfrageteilnehmer wählen diese Zahlungswege sogar „häufig“, beziehungsweise „immer“ beim Online-Shoppen aus. Ganze zwölf Prozent der Befragten gaben an, diese Zahlungsmethoden nicht zu nutzen. Am stärksten genutzt wird diese Art des Bezahlens von den 30- bis 39-Jährigen: Unter ihnen entscheiden sich 64 Prozent „häufig“ bis „immer“ für diese Zahlweise, während unter den Über-60-Jährigen 55 Prozent Paypal und Co. häufig bis immer als Zahlungsmethode auswählen. Zugleich sagen 18 Prozent der Befragten aus dieser Altersgruppe, dass sie diese Zahlungsmethoden gar nicht nutzen.

PwC: „Wettlauf gegen die Zeit hat begonnen“

Die PwC-Strategen leiteen aus den Umfrageergebnissen ab, dass für Banken ein „Wettlauf gegen die Zeit“ begonnen habe. Banken, die neuen Anbietern nicht mit genügend eigenen Angeboten entgegentreten können, werden daher Kunden verlieren, erläutert Peter Kleinschmidt, Leader Digital Financial Services bei PwC Deutschland. Dies gelte umso mehr im Hinblick auf die PSD2-Richtlinie, die Drittanbietern den Zugriff auf die Kontodaten der Kunden bei der Hausbank ermöglicht, sofern die Kunden zustimmen. Kleinschmidt zufolge verlieren die klassischen Geldinstitute damit ihren entscheidenden Wettbewerbsvorteil gegenüber Fintechs und Zahlungsdienste-Anbietern wie etwa Paypal, weil sie die Hoheit über das Girokonto ihrer Kunden verlieren.

Die Aussagen von PwC bestätigen sich auch durch den Einstieg von Paypal beim Berliner Fintechs Raisin im Dezember 2017. Er zeigt zudem, dass diese Anbieter sich nicht unbedingt damit begnügen, sich auf einen größeren Marktanteil im Bereich „Zahlungsdienste“ zu fokussieren, sondern ihr Geschäftsfeld auf andere Finanzdienstleistungen ausdehnen wollen.

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